Ein Besuch im Opernmuseum: Rossinis “Barbier von Sevilla” im Theater Bremen

Ein paar Tage nach Redmanns „Die Gehetzten“ im Schauspielhaus besuchte ich eine Vorstellung des „Barbier von Sevilla“ von Rossini im Theater am Goetheplatz.

Größer hätte der Unterschied kaum ausfallen können! Auf der einen Seite modernes Musiktheater in abwechslungsreicher und lebendiger Ausführung (Die Gehetzten), auf der anderen Seite das Opernmuseum des „Barbiere“ hier.

Aber wenn beides im Spielplan nebeneinander steht, bietet es die von mir so oft herbeigesehnte Vielfalt und dann kann auch ein sogenannter „Museumsbesuch“ durchaus seine Berechtigung haben! Nach den völlig veralberten und verhampelten Opern „Eugen Onegin“ und „Don Giovanni“ war ich vielleicht gerade deshalb nahezu erleichtert: endlich eine Regie, die zum Stoff passt!

Ich war am Ostermontag mal in der Stimmung, mich gut unterhalten zu lassen ohne meinen Kopf einschalten zu müssen, suchte quasi anstrengungslose Abwechslung vom Alltag – und bekam diese auch.

Die Musik von Rossini ist einfach nur wunderschön, ich habe sie sehr genossen! Die Sänger waren gut - sehr gut, ich hatte am Sänger-Ensemble fast nichts auszusetzen. Im Gegenteil!

Besonders hervorheben möchte ich dieses Mal die Sänger der beiden männlichen Hauptpartien: der Graf Almaviva wurde gesungen von dem Tenor Leonardo Ferrando, der sich mit guten sänger-darstellerischen Leistungen hervortat und die Titelpartie des Figaro von dem Bariton Levent Bakirci, der die Premiere noch krankheitsbedingt absagen musste.

Auch an diesem nachmittag schien er noch leichte Probleme mit der Nase, der Atmung zu haben, was seinem beeindruckendem Gesang und seinem darstellerischen Können aber keinen Abbruch tat!

Er konnte den meisten Applaus für sich verbuchen, auch in meinen Augen war er ein Highlight der Aufführung! Ich gebe es zu: ich geriet ins Schwärmen, freute ich mich doch diesen talentierten, jungen Sänger, der mir schon durch die „GEGEN DIE WAND“-Oper aufgefallen war, endlich einmal wiederzusehen.

Und auch wenn die rückwärts gewandte Inszenierung von Michael Hampe eine Adaption von 1981 ist, die so auch auf DVD zu sehen und wohl auch nicht verändert worden ist, fand ich sie in Ordnung! Sie war weder ein Ereignis noch ein Debakel! Sie lag irgendwo in der Mitte (Mittelmaß?), stellte sich ganz in den Dienst der Musik und des Gesanges, sodass beides in vollem Maße glänzen konnte.

Natürlich bleibt zu hoffen, das Bremens Kultur-Sparpläne dem Theater Bremen zukünftig nicht ausschließlich alte „Kamellen“ bescheren!

Hier aber geht es um eine simple Komödie (Graf Almaviva freit in verschiedenen Verkleidungen um Rosina, die ein Mündel von Dr. Bartolo ist und von diesem des Geldes wegen eifersüchtig bewacht wird; tatkräftige Unterstützung erhält Almaviva dabei vom titelgebendem Barbier), daher sehe ich keine Veranlassung diesen Stoff zu aktualisieren oder gar zu politisieren!

Sicher hätte man das Ganze ein wenig flotter, lebendiger, komödiantischer inszenieren können. Dennoch bleibt diese Komödie eben bloß eine Komödie, nicht mehr und nicht weniger! Ich habe mich jedenfalls nicht gelangweilt, dafür habe ich die Musik und den Gesang viel zu sehr genossen.

Ob man diese Opernaufführung also genießen kann oder verteufelt hängt im Wesentlichen davon ab, was man von einem Opernbesuch erwartet. Mehr noch als das normalerweise der Fall ist.

Man kann diesen „Barbiere“ warscheinlich mit seinen Eltern oder Großeltern ansehen , ohne Ärger befürchten zu müssen! Wenn einem bei dem Gedanken daran nicht schon die Haare zu Berge stehen…?

Mein Fazit fällt auf jeden Fall positiv aus: schöne Musik, tolle Sänger und eine dazu passende gefällige, altmodische Regie!

Regie: Michael Hampe

Musik. Leitung: Daniel Montané

Ausstattung: Monika Gora

Chor: Tarmo Vaask

Besetzung der von mir besuchten Vorstellung am 05.04.10:

Figaro: Levent Bakirci/ Graf Almaviva: Leonardo Ferrando/ Rosina: Stephanie Atanasov/ Dr. Bartolo: Tomas Möwes /Basilio, Musiklehrer: Jose Gallisa /Fiorillo, Diener des Grafen: Alberto Albarrán/ Berta, Haushälterin Dr. Bartolo: Agnes Selma Weiland/ Ambrosio, Diener Bartolos: G. Heering/ Notar: Bernd Tacke/ Offizier: Daniel Ratchev

Eine Reaktion zu “Ein Besuch im Opernmuseum: Rossinis “Barbier von Sevilla” im Theater Bremen”

  1. Der Spielplan

    Kompliment für den guten Bericht über die Vorstellung, die mir ebenfalls gut gefallen hat.

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