Bernd Redmanns Musiktheater “Die Gehetzten” als Uraufführung im Schauspielhaus: lebendiges, unterhaltsames und mitreißendes Theater

Wenn man es nicht mehr für möglich hält, desinteressiert und gelangweilt im Theatersessel hängt, geschieht plötzlich das Unerwartete: es gibt lebendiges, abwechslungs- und einfallsreiches Theater für Augen und Ohren!

So ist es mir beim Besuch der modernen Oper „Die Gehetzten“ von Bernd Redmann am 01.04.10 gegangen. Gleich nach der Einführung durch den Bass-Sänger Christian Hübner als blinder Bettler, der als eindrucksvoller Spielleiter durch die 21 Szenen dieser Oper führt, war ich hellwach, aufnahmebereit und neugierig auf das Bühnengeschehen!

Denn es geschah etwas: endlich mal kein langweiliges Aufsagetheater mit Hörspielcharakter, sondern eine Wundertüte an Ideen und fantasievollen Einfällen tat sich auf.

Libretto und Komposition von „Die Gehetzten“ stammt von Bernd Redmann, Professor für Musik und Theater in München. Seine erste Oper erzählt keine zusammenhängende Geschichte, sondern reiht in 90 kurzweiligen Minuten Episoden über unsere moderne Alltagswelt collagenhaft aneinander und greift dabei Themen auf wie Medien, Börse, Internet, Arbeit, Umwelt und Finanzwelt!

Dabei ist die musikalische Farbpalette so vielschichtig und interessant wie die verarbeiteten Themen. Verschiedene Stile und Genres stehen nebeneinander, Jazzklänge und Blueselemente lockern das Ganze auf. Besonders gefallen haben mir u.a. der Börsenmakler-Song und das „Jüngste Gericht“!

Der Regisseur dieser Uraufführunginszenierung ist Kay Kuntze, der künsterlische Leiter der Berliner Kammeroper. Und er brennt hier ein fant. Feuerwerk an origenellen Einfällen ab, unterhält auf intelligente und amüsante Weise. Ein schriller Bilderreigen, der Staunen macht, aber auch leise Töne anbietet. Lebendiges, pralles Theater! Lange vermisst im Bremer Theater!

Umso bedauerlicher, dass diese Aufführung nicht die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu finden scheint, die sie verdient! Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Theater-Sommer, aber dieses Highlight solltet Ihr nicht verpassen!

Also Leute: unbedingt reingehen! Die Scheu vor modernem Musiktheater ist in diesem Falle unberechtigt, lasst Euch verführen und mitreißen, es lohnt sich! Es ist auch nicht nötig, sich in irgendeiner Weise vorzubereiten, lasst Euch einfach überraschen!

Fazit: Musik und Szenerie bieten abwechslungsreiches, vitales Theater, das Ensemble begeistert mit Spielfreude und Können, Chor und Mini-Orchester des Theater Bremen (13 Musiker!) leisten Großartiges! Hier ist ein kleines, aber feines Gesamtkunstwerk geschaffen worden, sodass ich keine einzelnen Künstler heraus greifen will.

 

Komposition: Bernd Redmann

Musikl. Leitung: Tarmo Vaask

Regie: Kay Kuntze

Darsteller/Sänger: Nadine Lehner, Christian Andreas Engelhardt, Christian Hübner, Loren Lang, Johannes Scheffler und Mitglieder des Chores

Einen Kommentar schreiben