Wann hört das endlich auf?

Raffaela Knack am 5. Juli 2010

Wieso bekommt Hans-Joachim Frey im WESER-Kurier immer noch die Möglichkeit, sich selbst zu beweihräuchern, zu bemitleiden, weinerlich zu rechtfertigen etc?

Es reicht doch nun wirklich, aber nein, man gibt ihm auch noch die Möglichkeit, eigene Texte zu schreiben, in denen er die Kritiker zu Demut und Selbstreflexion anhält!!!!!!!

Und das, wo er immer noch nicht willens und in der Lage ist, seine eigene miserable Intendanz richtig einzuschätzen. Wie kann man nur so selbstverliebt und blind sein! Diese Arroganz ist einfach unerträglich!

Dieser Intendant ist ja nicht nur kläglich gescheitert, sondern er hat Bremen einen Scherbenhaufen hinterlassen. Es ist also kein annehmbarer Versuch mit ihm gewesen, nein, er hat alles kaputtgemacht! Auf Jahre??? haben wir keinen Intendanten, seine Marionetten betreiben einen boulevardesken Spielplan, das einem schlecht werden kann vor soviel Provinzialität!

Anstatt ihn immer noch zu schützen, hätte man ihn geteert und gefedert aus der Stadt jagen sollen!!! Bei Freys Äußerungen kocht bei mir immer noch die Wut über! Er geht und wir bleiben mit der Bremer Theater Ruine allein sitzen!!! Nichts ist wirklich geklärt, ausgestanden… Jagt ihn endlich davon…

da ponte

hardy am 30. Juni 2010

Dem weser-kurier sei gedankt für die nicht nur künstlerische,sondern auch betriebswirtschaftliche abrechnung mit der “ära” frey: 3 jahre eines derartigen intendantenrollenverständnisses sind mehr als genug ! Hoffentlich haben das auch die notorisch theaterfernen bremer quasiberufspolitikerInnen der cduspdfdp… begriffen : Auf dass die nächste intendantIn wieder eine i n t e n d a n t I n ist ! Nur, warum wird nach der nicht nur künstlerischen sondern absehbar auch betriebswirtschaftlichen turandot-pleite die nächstjährige seebühnenbespielung nicht in die v o l l e geschäftliche verantwortung der neuen frey-firma da ponte gegeben,fragt sich hardy.

Obsiegen

Voxart am 12. Mai 2010

Es ist erstaunlich ruhig geworden in Bremen. Frey geht und keiner fragt zumindest laut, wie es weitergeht: dabei sind für die nächsten zwei Jahre die Weichen gestellt und keiner reklamiert. Wann wacht Bremen auf? Wann wacht dieses Forum hier endlich auf? Am 6. April der letzte Eintrag! Die Gegenseite sitzt es also erfolgreich aus. Ich bin enttäuscht auch von diesem vormals wackeren Forum: Schall und Rauch und die, die das Sagen haben, werden obsiegen und einen weiteren Hajopay als GI repräsentieren. Gutenacht Bremer Bühnenkultur. Es ist korrupt, kriminell und alle schauen zu und sagen wie Pennäler zu allem nischts. Shame on you. Man wird in Zukunft hoffentlich in den Hinterhöfen Bremens Theater erleben, wie einst die illegalen Bars…Erst wird das Tanztheater still und schnell abgeschafft. Dann das Schauspiel. Und dann nur noch Hochglanzoper, a weng Mozart und a bisserl Beethoven…

Wann merkt jeder Bremerin und ein jeder Bremer, dass er und sie Einfluss nehmen kann, das Theater wach halten kann? Warum schreibt keioner hier über den Theaterabend DANGEROUS? Warum pennt der ganze Tross?

Man erinne sich an den Oktober 2005, als keine Gehälter mehr am Theater bezahlt wurden: und wir Zuschauer gingen hin, weil wir mitkämpfen wollten und das Theater liebten. Weil wir das momentane Theater nicht mögen, müssen wir uns doch nicht verstecken, sondern kämpfen, für ein politisches Theater, ein innovatives Theater, ein Theater für alle Bremerinnen und Bremer, von Drama bis zur Komödie, mit Handschrift, quer und schön, schrill und lieb, bewegend ohne Abziehbild, dem Menschen nahe, weil wir Menschen im Theater Menschen sehen und deren Geschichten erzählt bekommen wollen. Das ist auch eine Form von Bildung für die Jungen und für uns Alte. Dass die Breer wieder sagen könne, wir sind stolz auf unser Theater. Wisst Ihr, dass das Bremer Theater seit Frey nicht mehr in der ersten Liga kickt? Wisst Ihr, wie man übers Theater in Bremen im Lande spricht und spottet? Wisst Ihr, wie weh das tut, wenn man das Theater Bremen an sich liebt? Hoch die Fahnen, hin, und kämpfen.

Ich fürchte, das wird nix.

Ein Besuch im Opernmuseum: Rossinis “Barbier von Sevilla” im Theater Bremen

Raffaela Knack am 6. April 2010

Ein paar Tage nach Redmanns „Die Gehetzten“ im Schauspielhaus besuchte ich eine Vorstellung des „Barbier von Sevilla“ von Rossini im Theater am Goetheplatz.

Größer hätte der Unterschied kaum ausfallen können! Auf der einen Seite modernes Musiktheater in abwechslungsreicher und lebendiger Ausführung (Die Gehetzten), auf der anderen Seite das Opernmuseum des „Barbiere“ hier.

Aber wenn beides im Spielplan nebeneinander steht, bietet es die von mir so oft herbeigesehnte Vielfalt und dann kann auch ein sogenannter „Museumsbesuch“ durchaus seine Berechtigung haben! Nach den völlig veralberten und verhampelten Opern „Eugen Onegin“ und „Don Giovanni“ war ich vielleicht gerade deshalb nahezu erleichtert: endlich eine Regie, die zum Stoff passt!

Ich war am Ostermontag mal in der Stimmung, mich gut unterhalten zu lassen ohne meinen Kopf einschalten zu müssen, suchte quasi anstrengungslose Abwechslung vom Alltag – und bekam diese auch.

Die Musik von Rossini ist einfach nur wunderschön, ich habe sie sehr genossen! Die Sänger waren gut - sehr gut, ich hatte am Sänger-Ensemble fast nichts auszusetzen. Im Gegenteil!

Besonders hervorheben möchte ich dieses Mal die Sänger der beiden männlichen Hauptpartien: der Graf Almaviva wurde gesungen von dem Tenor Leonardo Ferrando, der sich mit guten sänger-darstellerischen Leistungen hervortat und die Titelpartie des Figaro von dem Bariton Levent Bakirci, der die Premiere noch krankheitsbedingt absagen musste.

Auch an diesem nachmittag schien er noch leichte Probleme mit der Nase, der Atmung zu haben, was seinem beeindruckendem Gesang und seinem darstellerischen Können aber keinen Abbruch tat!

Er konnte den meisten Applaus für sich verbuchen, auch in meinen Augen war er ein Highlight der Aufführung! Ich gebe es zu: ich geriet ins Schwärmen, freute ich mich doch diesen talentierten, jungen Sänger, der mir schon durch die „GEGEN DIE WAND“-Oper aufgefallen war, endlich einmal wiederzusehen.

Und auch wenn die rückwärts gewandte Inszenierung von Michael Hampe eine Adaption von 1981 ist, die so auch auf DVD zu sehen und wohl auch nicht verändert worden ist, fand ich sie in Ordnung! Sie war weder ein Ereignis noch ein Debakel! Sie lag irgendwo in der Mitte (Mittelmaß?), stellte sich ganz in den Dienst der Musik und des Gesanges, sodass beides in vollem Maße glänzen konnte.

Natürlich bleibt zu hoffen, das Bremens Kultur-Sparpläne dem Theater Bremen zukünftig nicht ausschließlich alte „Kamellen“ bescheren!

Hier aber geht es um eine simple Komödie (Graf Almaviva freit in verschiedenen Verkleidungen um Rosina, die ein Mündel von Dr. Bartolo ist und von diesem des Geldes wegen eifersüchtig bewacht wird; tatkräftige Unterstützung erhält Almaviva dabei vom titelgebendem Barbier), daher sehe ich keine Veranlassung diesen Stoff zu aktualisieren oder gar zu politisieren!

Sicher hätte man das Ganze ein wenig flotter, lebendiger, komödiantischer inszenieren können. Dennoch bleibt diese Komödie eben bloß eine Komödie, nicht mehr und nicht weniger! Ich habe mich jedenfalls nicht gelangweilt, dafür habe ich die Musik und den Gesang viel zu sehr genossen.

Ob man diese Opernaufführung also genießen kann oder verteufelt hängt im Wesentlichen davon ab, was man von einem Opernbesuch erwartet. Mehr noch als das normalerweise der Fall ist.

Man kann diesen „Barbiere“ warscheinlich mit seinen Eltern oder Großeltern ansehen , ohne Ärger befürchten zu müssen! Wenn einem bei dem Gedanken daran nicht schon die Haare zu Berge stehen…?

Mein Fazit fällt auf jeden Fall positiv aus: schöne Musik, tolle Sänger und eine dazu passende gefällige, altmodische Regie!

Regie: Michael Hampe

Musik. Leitung: Daniel Montané

Ausstattung: Monika Gora

Chor: Tarmo Vaask

Besetzung der von mir besuchten Vorstellung am 05.04.10:

Figaro: Levent Bakirci/ Graf Almaviva: Leonardo Ferrando/ Rosina: Stephanie Atanasov/ Dr. Bartolo: Tomas Möwes /Basilio, Musiklehrer: Jose Gallisa /Fiorillo, Diener des Grafen: Alberto Albarrán/ Berta, Haushälterin Dr. Bartolo: Agnes Selma Weiland/ Ambrosio, Diener Bartolos: G. Heering/ Notar: Bernd Tacke/ Offizier: Daniel Ratchev

Bernd Redmanns Musiktheater “Die Gehetzten” als Uraufführung im Schauspielhaus: lebendiges, unterhaltsames und mitreißendes Theater

Raffaela Knack am 6. April 2010

Wenn man es nicht mehr für möglich hält, desinteressiert und gelangweilt im Theatersessel hängt, geschieht plötzlich das Unerwartete: es gibt lebendiges, abwechslungs- und einfallsreiches Theater für Augen und Ohren!

So ist es mir beim Besuch der modernen Oper „Die Gehetzten“ von Bernd Redmann am 01.04.10 gegangen. Gleich nach der Einführung durch den Bass-Sänger Christian Hübner als blinder Bettler, der als eindrucksvoller Spielleiter durch die 21 Szenen dieser Oper führt, war ich hellwach, aufnahmebereit und neugierig auf das Bühnengeschehen!

Denn es geschah etwas: endlich mal kein langweiliges Aufsagetheater mit Hörspielcharakter, sondern eine Wundertüte an Ideen und fantasievollen Einfällen tat sich auf.

Libretto und Komposition von „Die Gehetzten“ stammt von Bernd Redmann, Professor für Musik und Theater in München. Seine erste Oper erzählt keine zusammenhängende Geschichte, sondern reiht in 90 kurzweiligen Minuten Episoden über unsere moderne Alltagswelt collagenhaft aneinander und greift dabei Themen auf wie Medien, Börse, Internet, Arbeit, Umwelt und Finanzwelt!

Dabei ist die musikalische Farbpalette so vielschichtig und interessant wie die verarbeiteten Themen. Verschiedene Stile und Genres stehen nebeneinander, Jazzklänge und Blueselemente lockern das Ganze auf. Besonders gefallen haben mir u.a. der Börsenmakler-Song und das „Jüngste Gericht“!

Der Regisseur dieser Uraufführunginszenierung ist Kay Kuntze, der künsterlische Leiter der Berliner Kammeroper. Und er brennt hier ein fant. Feuerwerk an origenellen Einfällen ab, unterhält auf intelligente und amüsante Weise. Ein schriller Bilderreigen, der Staunen macht, aber auch leise Töne anbietet. Lebendiges, pralles Theater! Lange vermisst im Bremer Theater!

Umso bedauerlicher, dass diese Aufführung nicht die Aufmerksamkeit der Zuschauer zu finden scheint, die sie verdient! Eine Schwalbe macht zwar noch keinen Theater-Sommer, aber dieses Highlight solltet Ihr nicht verpassen!

Also Leute: unbedingt reingehen! Die Scheu vor modernem Musiktheater ist in diesem Falle unberechtigt, lasst Euch verführen und mitreißen, es lohnt sich! Es ist auch nicht nötig, sich in irgendeiner Weise vorzubereiten, lasst Euch einfach überraschen!

Fazit: Musik und Szenerie bieten abwechslungsreiches, vitales Theater, das Ensemble begeistert mit Spielfreude und Können, Chor und Mini-Orchester des Theater Bremen (13 Musiker!) leisten Großartiges! Hier ist ein kleines, aber feines Gesamtkunstwerk geschaffen worden, sodass ich keine einzelnen Künstler heraus greifen will.

 

Komposition: Bernd Redmann

Musikl. Leitung: Tarmo Vaask

Regie: Kay Kuntze

Darsteller/Sänger: Nadine Lehner, Christian Andreas Engelhardt, Christian Hübner, Loren Lang, Johannes Scheffler und Mitglieder des Chores

Brutalstmöglich OFFEN

hardy am 28. Februar 2010

Werte Frau Emigholz , werter Herr Mützelburg  und werte weitere Mitglieder der Intendantinnenfindungskommission , wer zahlt , schafft an und in diesem Sinne möchte ich als Theaterfreund und Steuerzahler fragen , warum wir es erstens  nicht bei der “Fünferbande” lassen , welches zweitens Ihre Kriterien bei der Intendantinnenauswahl sind und drittens , wie der Zwischenstand der Auswahl ist , damit ich nicht auf westfälische Blätter angewiesen sein muss …Mit Dank und Gruss

Vielen Dank für die offene Kommunikation, Frau Emigholz - Bremer Klüngel at its best

philipp am 19. Februar 2010

Wieder einmal bekommen wir vorgeführt, wie man’s nicht macht. Gestern stand es in der “Süddeutschen”, heute, am 19.02.2009, lesen wir im “Westfalen-Blatt” (http://www.westfalen-blatt.de/nachrichten/regional/bielefeld.php?id=35806&artikel=1) endlich wieder mal was neues über die offensichtlich im dichten Gestrüpp von “linker Hand und rechter Tasche” stattfindende Intendantenkür.

Vielen Dank Frau Emigholz, dass sie sich so getreu an ihr Versprechen halten, das sie der Veranstaltung der Theaterfreunde im Oktober gegeben haben. Das ist also die “brutalstmögliche” Offenheit - na dann viel Spaß! So macht man sich offensichtlich Freunde, zumindest in Bielefeld

Der Wortlaut der Meldung im Westfalen-Blatt:

Bielefeld (uj). Der Bielefelder Theaterintendant Michael Heicks soll laut einem Bericht der Süddeutschen Zeitung zu den vier Kandidaten gehören, die bei der Suche nach einem neuen Generalintendanten für das Theater Bremen in die engste Wahl gezogen wurden.

Die SZ hatte gestern gemeldet, dass die Findungskommis­sion sich neben Heicks auf Res Bosshart (früherer Inten­dant am Theater Meiningen), Cornelia Preissinger (künstle­rische Betriebsdirektorin an der Oper Hannover) und Michael Börgerding (früherer Chefdramaturg am Hambur­ger Thalia-Theater) geeinigt habe. Dem Bericht zufolge handelt es sich um »Kandidaten aus der zweiten Reihe«. Als Grund dafür wird die karge finanzielle Ausstattung des Bremer Vier-Sparten-Hauses genannt, das mit einem Bud­get von 24 Millionen Euro nurmehr »zweite Liga« sei.

Die Presseabteilung des Theaters Bielefeld dementiert, dass sich Michael Heicks auf die Intendantenstelle in Bre­men beworben haben soll. Heicks selbst, der gestern an einer Tagung des Deutschen Bühnenvereins in Düsseldorf teilnahm, war telefonisch nicht zu erreichen.

Auch die Bremer Kulturbehörde weist den Bericht über die Kandidatenliste zurück. Es treffe nicht zu, dass die vier genannten Namen in die Endauswahl gekommen seien, ließ die Behörde verlauten.

Der Weser-Kurier in Bremen geht von einer gezielten Indiskretion aus. Jemand aus der Findungskommission habe offenbar vier falsche Namen in Umlauf gebracht, um letztendlich einen anderen Favoriten ins Rennen zu schi­cken. OB Pit Clausen zeigte sich von der Nachricht völlig überrascht: »Ich weiß davon nichts.« Auch die Vorsitzende der Theater- und Konzertfreunde, Christiane Pfitzner, sieht keinen Sinn in einer Bewerbung seitens Michael Heicks’. »Das Theater Bielefeld ist im mittleren Bereich ein sehr angesehenes Haus«, sagte die Theko-Vorsitzende. Eine Bewerbung an ein in Verruf geratenes Haus wie Bremen mache keinen Sinn.

Eine derartige Behauptung aufzustellen, grenze schon an Rufmord, sagte Christiane Pfitzner.

„La dolce vita“ am Schauspielhaus des Theater Bremen - Futter für Aufmerksamkeitskannibalen

philipp am 18. Februar 2010

1960 hat Federico Fellini den Film „La dolce vita” gedreht, vielen bekannt durch das Foto einer Szene- Anita Ekberg in der „Fontana di Trevi”.

Die Handlung des Films bildet auch den Rahmen der in Bremen gezeigten Uraufführung der Theaterfassung von Mirja Biel und Joerg Zobralski, die auch für die Regie, Co-Regie, Musik und Video verant­wortlich sind. Mirja Biel ist in Bremen durch die viel beachtete Inter­pretation des Fassbinder-Stücks „Die bitteren Tränen der Petra von Kant” hoch gelobt worden.

Die Geschichte des Films beschreibt die satte Ödnis im Leben der Haute-Volée aus Bourgeoisie und Adel im Rom der 50er Jahre. Mit Krieg und Faschismus waren diesen die Motivationshilfen abhanden gekommen und das viele Geld im Hintergrund drückt, will raus, muss verlebt werden. Protagonist der Geschichte ist der Journalist Marcello Rubini, begleitet durch seinen Fotografen Paparazzo, dem Namens­geber seiner Gattung, Marcello hat als gut aussehender Emporkömm­ling Zugang zu diesen erlauchten Kreisen gefunden. Es ist für seine Klientel Selbstbestätigung und Nervenkitzel zugleich, wenn er seine Hofberichterstattung dem gemeinen Volk zugänglich macht. Dafür darf er hin und wieder gelangweilte Up-Town- Damen beschlafen und an den ausschweifenden Festen teilnehmen. Derjenige, der dazu gehört, ist frei und entspannt, duldet gleichgeschlechtliche Liebe, intellektuell prickelnde Ausreißer sind zwar meist wirkungslos, aber reizend - nur, „ die im Dunkeln sieht man nicht”.

Biel und Zobralski haben den Stoff des Films in ihre heutige Zeit über­tragen und das Individuum Marcello mit den Fragen und Widersprü­chen, die aus seiner Journalisten-Existenz entstehen, in den Mittel­punkt gestellt. Marcello, intensiv und konsequent dargestellt von Glenn Goltz, erlebt seine Welt in Bildern, die von dem „recording Angel” (Christoph Rinke - wieder einmal absolut bestechend) beschrieben und kommentiert werden.

Das Bühnenbild von Monika Gora ist einfach, gut und treffend- ein drehbarer, teilweise geöffneter Zylinder aus symetrischen Feldern von quadratischen Glasbausteinen, der auch als Projektionsfläche für Videoeinspielungen dient, die teilweise mit Handkameras das aktuelle Geschehen vergrößern und verstärken, Man fragt sich, ob die Glas­baustein-Felder gleichzeitig ein Ausschnitt aus der Fassade des neuen Logistik-Zentrums der Beck’s Brauerei in der Bremer Neustadt, die abgeschlossene Innenwelt von Medienjunkies oder die Gefangenheit der menschlichen Existenz darstellen sollen.

Das erste Bild nun zeigt Marcello, wie er rennt, rennt und rennt, seiner Bahn aber nicht entkommen kann, da er den inneren Rand des runden Bühnenaufbaus entlang läuft. Als er nach schier endlosem Laufen end­lich erschöpft zusammenbricht, erklärt der „Engel”, der das Konterfei seiner Vorlage Andy Warhol auf seinem T-Shirt trägt, dass den Men­schen die Liebe, die Fähigkeit zu lieben, abhanden gekommen sei. Dies wird im Folgenden gezeigt, als Marcello und Maddalena (Irene Kleinschmidt) sich einander zuwenden wollen. Nachdem es im Film vor fünfzig Jahren noch aufregend genug war, sich im Schlafzimmer einer Prostituierten zu vergnügen, während diese Cafe zubereitet, gibt’s den richtigen Thrill in der Jetzt-Zeit nur bei einer „Menage a Troi” und allem, bloß keiner Missionarsstellung. Zurück bleibt nichts, ein schaler Geschmack wird durch Tristesse ersetzt.

Bild folgt auf Bild, fast wie in einer Moritat - es wird gezeigt, wie Papa­razzi sich um den besten Schuß balgen, dann wartet Marcello und seine Paparazza (Franziska Schubert) zum ersten Mal auf die Ankunft von Anita. Es fällt Schnee - und das Publikum wartet auch auf Anita - optimalerweise im Brunnen. Bald darauf warten sie ein weiteres und später auch noch ein drittes Mal, es (das Leben?) wird immer kälter, immer dichter wird der Schneefall und immer mehr passen sich Mar­cello und seine Paparazza der Umgebung an, bis sie - Pinguinen gleich - über die Bühne watscheln.

Weitere Bilder zeigen, wie Marcello von seinem Vater (Martin Baum) besucht wird und dieser in einem Nachtclub vom Johannistrieb über­mächtigt, sich mit einer marionettenhaften Prostituierten einlässt. Dem der Aufregung gestundeten Kreislaufzusammenbruch entflieht er mit dem nächstbesten Zug nach Hause zu Mutti. Diese Szene ist fast detailgetreu dem Film entnommen und auch der von seinen Depressi­onen gezeichnete Intellektuelle Steiner (Guido Gallmann) mit seiner Existenzialisten-Korona bekommt seinen Auftritt, an dessen Ende er sich und seine Kinder umbringt. Und immer wieder versucht die brave Emma (Susanne Schrader) als „offizielle” Geliebte des Marcello mit kleinbürgerlicher Sehnsucht diesen aus dem Strudel von Sex, Verach­tung, Tristesse und Langeweile zu befreien. Sie hat keinen Erfolg, wird beschimpft und verhöhnt.

Diese Bildfolgen werden immer wieder unterbrochen durch die Kom­mentare des „recording Angel”, von dem Marcello erfährt, dass er nur das ist, was ein Spiegel im Spiegel sieht - Nichts. Beim nächsten Mal erscheint der Engel in der Figur des Mode-Übervaters Lagerfeld, der in bekanntem Schnellsprech überheblich Gift und Bonmots verspritzt. Alsbald ist er Adriano Celentano, dann in einem Rokoko-Rock Casa­nova nicht unähnlich.

Es scheint, als wären die einzelnen kurzen Episoden wie in einem Musikvideo in schneller Folge teilweise übergangslos aneinander geschnitten. Und wie in diesen Videos hat der Betrachter für eine ratio­nale Verarbeitung, Analyse und Einordnung der Gemeinheiten und Brutalitäten keine Zeit. So kumulieren von Szene zu Szene die Gefühle und die gezeigte Tristesse wird beinahe körperlich fühlbar. Da möchte man den Gefühlsausbruch des Marcello schon fast ernst nehmen, der fast unvermittelt das Publikum in einem Ausbruch von Verzweiflung und Wut auffordert, doch endlich abzuhauen. Um dies zu unterstrei­chen, belegt er die Zuschauer mit einigen Ausdrücken, wobei er mit „Aufmerksamkeitskannibalen” den Treffer des Abends erzielt, denn dies beschreibt doch sehr präzise, warum man ihn für seine Tätigkeiten bezahlt.

Das Publikum der Premiere wäre also fast schon „abgehauen”, zag­hafter Beifall begann, aber das Stück war noch nicht zu Ende. Denn endlich und lang erwartet, aber etwas unvermittelt, zeigt sich nun auch Anita - der Engel in seiner letzten Erscheinungsform. Als Marcello sieht, wie sie sich in den herabfallenden Wassern des Trevi-Brunnen räkelt und windet, verliert er vollkommen die Kontrolle über sich, springt aus seinen Kleidern und fällt, seiner Lust nachgebend, über sie her. Als auch sie sich aus ihren Kleidern schält, wird das Publikum der Männlichkeit beider Darsteller gewahr und kann versuchen sich hierauf einen Reim zu machen, während sich die versammelten Darsteller in der Rundung der Bühne zu einer allegorischen Darstellung aufstellen, der Figurengruppe der besagten Fontana di Trevi nicht unähnlich.

Damit werden die Zuschauer in einen nachdenklichen oder durch Ver­wirrung verhaltenen Applaus entlassen. Denn zu unvermittelt sind der Gefühlsausbruch des Marcello und die Schlussszene aufgetaucht und schon wieder vorbei. Es macht den Anschein, als müsste nach zwei Stunden Vorstellung ohne Pause dem Treiben plötzlich ein Ende gefunden werden.

Es ist ein interessantes, sehenswertes Stück mit einem wirklich enga­giert agierenden Ensemble. Aber die Frage bleibt, warum dieses Stück „La dolce vita” heißt. Gut, es ist schon ein „Bringer”, wenn der eine oder andere Zuschauer durch sein Interesse an Fellini ins Theater gelockt wird. Doch es bleibt von dem Film inhaltlich wenig übrig - dort die Betrachtung einer Gesellschaftsschicht, einer Klasse, hier im The­ater nun ein individuelles Schicksal zwischen den Fronten - dort explo­siv durch den politisch aktiven Kontext des kalten Krieges, hier ein ob der fehlenden Vision trauriges und wehmütiges Depressivum. Also wäre es konsequenter, nicht hinter einen fahrenden Titel-Zug zu sprin­gen, sondern ein eigenes Statement mit einem eigenen Titel abzugeben, vielleicht unter dem Stichwort „Aufmerksamkeitkanniba­len”.

Interessant ist, dass dennoch dem Zuschauer ungewollt (?) ein getreues Bild unserer Gesellschaft gegeben wird. Wenn alle und alles sich nur noch um das Aufspüren von individuellen Schlupflöchern dre­hen, die einen in der Steuerschweiz, andere in esoterischeren Winkeln, viele in verzweifelt verteidigter privater Geborgenheit, alle sich aber darin einig, dass Engagement nur sinnvoll für den privaten Vorteil ist - warum sollte sich das Theater die Mühe geben, dies anders zu sehen und zu zeigen? Eben weil es Theater ist, eben weil es die Finger in Wunden legen muss, eben weil es nicht nur fragen, sondern auch lösen darf. Das wären zwar nicht mehr „Brot und Spiele”, aber der Mühe doch einmal wert?!

Sinn?

ANTON am 9. Februar 2010

Ich lese alle Artikel hier in diesem Forum und frage mich, ob das hier ein InsiderBlog sein soll: ein Inzest? Hier schreiben ein paar wenige, man kann sie an einer Hand abzählen und ich hatte die Hoffnng, hier sei ein “erhörtes” Forum: dem ist anscheinend nicht so: wie schade! Auch die Hinzunahme der Shakespeare Company halte ich für unwichtig! Das Bremer Theater steht im Fokus! Aber was können 5 Leute schon bewegen? Die sich gegenseitig lesen und nichts dringt nach außen; ich dachte an mehr.

Erschüttert

ANTON am 6. Februar 2010

Ich teile diese Meinung sehr; wann bekommt Bremen wieder ein spannendes Sprechtheater? Das hat nicht mit Geschmack zu tun. Ich bin gerne mal nicht einverstanden im Theater. Das muss sein. Theater muss bewegen. Hier bewegt es nur die Langeweile der Zuschauer: und Zuschauer werden immer weniger. Ich will ein anderes Theater! In meinem ganzen Freundeskreis haben so viele ihre Abos gekündigt. Ich sitz unterdessen alleine. Ich weiß, dass ein Bedürfnis da ist für ein gutes Theater. Die Shakesperae Company deckt das nicht ab; das ist nicht meine Welt. Und ich will auch ein gutes Ensemble sehen: das Jetzige scheint unter sich irgendwie nicht einig zu sein? Ja, ich muss Shoasta zustimmen: eine Intendantin ist angesagt. Eine neue Handschrift und kein Abziehbild in Hochglanz. Frey ist weg und es blubbert munter weiter, als wär nix los: ist halt auch nix los. Aus beruflichen Gründen (Webdesign für kulturelle Institutionen) reise ich viel in Deutschland und besuche gerne auch Sprechtheater. Als Pierwoß noch Intendant war, sagte man: Bremen ist immer 1. Bundesliga, wenngleich so bewegt und auf und ab, dass es mal mehr, mal weniger abstiegsgefährdet zu sein scheint - immerhin 1. Bundesliga!!!, neben Hamburg, Berlin, München. Schlimm ist, wenn ich heute mich als Brener Theatergänger oute, fragt man mich in München sofort: ist es wirklich so schlimm in Bremen?

Ich schäme mich beinahe: ja, es ist sogar schlimmer. Es ist nicht mehr unser Theater. Noch schlimmer: es gehen immer weniger hin. Neulich bei Macbeth - waren das im großen Haus (Oper) 140 Leute?

Wenn die Leute wenigstens mitten in der Vorstellung sich erheben würden und laut den Sall verlassend die Türen schlagen würden….Nein! Sie kommen nach der Pause einfach nicht wieder. Diese Stille, verehrter Shoasta, ja diese Stille ist ungut.

Herzlichen Dank

Antonius